Ein Job, der dich findet. Recruitingplattformen gibt es bereits viele. Careersuite will anders sein. Seine Matchingprozess funktionieren über automatisierte Alghorithmen. Wir haben mit den Gründern ein Interview geführt

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Daniel, ihr greift den Markt für Job- bzw. Recruitingplattformen an, der bereits gut besetzt ist. Was genau bietet careersuite.com an und wie seid ihr darauf gekommen?

Wir sind dadurch auf die Idee hinter CareerSuite gekommen, dass wir selbst aus der Perspektive von Studenten den Recruiting-Markt als sehr intransparent wahrgenommen haben. Zum einen wissen die Studenten nicht genug über die Angebote der Firmen und wie die tägliche Arbeit in einem bestimmten Bereich aussieht. Zum anderen wissen gerade junge Menschen oftmals nicht genug über sich selbst, also was ihre eigenen Interessen sind und wo ihre Stärken liegen. Um diese beiden Probleme zu lösen, sind wir auf die Idee des Job-Matchings gekommen und haben CareerSuite gegründet.

Ihr erwähnt das Vermitteln zwischen Jobangebot und Stellensuchenden über einen „multidimensionalen matching Prozess“. Was genau kann man sich darunter vorstellen?
Uns geht es darum, Kandidaten nicht nur über Hard Skills, also fachliche Fähigkeiten und Qualifikationen an Unternehmen zu vermitteln, sondern auch über Softfaktoren wie Persönlichkeit und Kultur. So wird auf insgesamt drei Dimensionen (Qualifikation, Persönlichkeit, Kultur) durch einen Algorithmus jeweils eine Punktzahl errechnet, die angibt, wie gut Kandidat und Unternehmen zusammenpassen.

Ihr habt ein klassisches Business Model in dem ihr zwei Parteien verbindet und ein Matching ermöglicht. Wie genau löst ihr das bekannte Henne-Ei Problem?

Wir werden uns mit unserem Prototypen zunächst auf die Kandidatenseite fokussieren, für die der Service komplett kostenfrei ist. Dadurch, dass wir neben Job-Matching auch Berufsberatungsfunktionen anbieten, sind wir zuversichtlich, eine kritische Masse an Kandidaten auf der Plattform zu registrieren, ohne sie direkt an Unternehmen zu vermitteln. Mit diesem Kandidatenpool werden wir im nächsten Schritt Unternehmen gegenübertreten, um ihnen einen Recruiting-Tool sowie den Zugriff auf diesen Talentpool zu verkaufen. Dabei kommt uns das weitreichende Netzwerk unserer Investoren zugute.

Careersuite steht kurz vor dem Launch. Was waren bis dato eure größten Herausforderungen und was habt ihr gelernt?

Unsere grösste Herausforderung bis jetzt ist die Produktentwicklung. Dadurch, dass wir zwei Wirtschaftsstudenten im Gründerteam sind, fehlten uns am Anfang die Kenntnisse, um eine professionelle Online-Plattform aufzubauen. Glücklicherweise erhielten wir Unterstützung durch ein erfahrenes Team von IT-Experten der ETH Zürich und haben uns mit der Zeit auch eigene IT-Kenntnisse angeeignet. Eine weitere Herausforderung ist die tägliche Flut an neuen To-Dos, die auf uns zukommen und nicht immer Spass machen, besonders wenn es um administrative Dinge geht. Dadurch lernt man zu priorisieren und auch mal Nein zu sagen.

Ihr habt bereits einige Unterstützer für eure Idee und sogar ein erstes Investment sichern können. Wie habt ihr eure Kapitalgeber überzeugt?

Wir hatten das Glück, durch den Entrepreneurship Kurs im SIM-Masterprogramm der HSG unsere Investoren über einen längeren Zeitraum kennenlernen zu können. Wir erhielten regelmässig Coaching und Feedback von ihnen und überarbeiteten unsere Geschäftsidee dabei mehrere Male von Grund auf (Pivoting). Ich denke, diese Wandlungsfähigkeit sowie der Wille, nach vorne zu schauen und unter grosser Ungewissheit Dinge einfach zu probieren hat unsere Investoren letztendlich überzeugt.

Inwiefern haben euch die Unterstützungsprogramme in der Schweiz und St.Gallen bisher geholfen, eure Geschäftsidee weiterzuentwickeln? Und was wären eure 3 Tipps für künftige Gründer an der HSG?

Trotz des überschaubaren Marktes sowie hohen Betriebskosten ist die Schweiz ein durchaus attraktiver Standort, um ein Unternehmen zu gründen. Das liegt vor allem an der Verfügbarkeit von erfahrenen Unternehmern sowie Institutionen wie die Jackstädt-Stiftung, die Start-Ups sowohl finanziell als auch durch professionelles Coaching fördern. In St. Gallen gibt es gerade rund um die HSG vielerlei Angebote wie das Entrepreneurial Talents Programm, START und eine Bandbreite von akademischen Kursen zum Thema Entrepreneurship, von denen wir extrem profitierten.