Aus der Serendipity Reihe von Miriam Meckel, Herausgeberin der WirtschaftsWoche, 18.05.2017

Bisweilen entstehen die besten Ideen per Zufall. Folge 64: Die Erfindung des Kaffeefilters.

Wut gilt als Karrierekiller. Angeblich vergiftet das Gefühl die Unternehmenskultur, macht unglücklich und unproduktiv.
Doch wahr ist auch: Selbst aus negativen Gefühlen können positive Dinge entstehen. Das zeigt der Fall von Melitta Bentz.

Im Jahr 1908 ging die sächsische Hausfrau wieder mal einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nach und gönnte sich ein Tässchen Kaffee. Das Gebräu trank sie immer gerne, nur eine Kleinigkeit fehlte ihr zur völligen Glückseligkeit: ein sauberer Prozess in der Herstellung.

Dazu muss man wissen, dass Kaffeetrinken damals eine ziemlich krümelige Angelegenheit war. Die Menschen filterten ihn nach dem Aufbrühen nur durch ein normales Haushaltssieb. Dadurch landeten beim Verzehr häufig sichtbar und spürbar Bohnenreste zwischen den Zähnen und im Hals.

Bentz störte sich auch an dem Geschmack, den der bittere, schwarzbraune Schlick hinterließ – und plötzlich kam ihr eine Idee.

Sie nahm einen Messingbecher und bohrte Löcher hinein; darauf legte sie ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres Sohnes; füllte Kaffeepulver hinein und goss heißes Wasser darüber – fertig war der Kaffeefilter. 1908 ließ sie ihre Erfindung patentieren

Das Unternehmen, das sie mit 72 Reichspfennigen Startkapital zusammen mit ihrem Mann gründete, trägt noch heute ihren Vornamen: Die Firma Melitta aus dem westfälischen Minden vertreibt auch weiterhin Kaffee- und Filtertüten.

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