Auf Jobsuche? Probiers doch mal mit Online Dating…

…haben sich die Gründer von Yooture gedacht und eine Jobplattform gegründet, die Arbeitssuchende und Firmen per Smartphone wie Dating-Apps verkuppelt.

Claudio Lehmann, Yooture

Es klingt nach einer klassischen Gründerstory: Claudio Lehmann, HSG Alumni und langjähriger Senior Manager bei der UBS diskutiert beim gemeinsamen Mittagessen mit einem Kollegen eine Geschäftsidee. Drei Tage später kündigen die beiden und gründen das Start-Up Yooture und wollen damit den Jobmarkt aufmischen.

Swipe right to hire

Yooture – ein Neologismus gebildet aus „Your“ und „Future“ – ist eine Jobplattform, die über ein automatisiertes Matchingsystem den herkömmlichen Bewerbungsprozess ablösen will. Die App wertet die Fähigkeiten und Präferenzen des Nutzers über bereits vorhandene Daten wie LinkedIn-Account oder eigenen Angaben aus und erstellt so ein anonymes Profil. Dieses wird anschliessend automatisiert mit den Inseraten der Firmen bezüglich der Stellenanforderungen abgeglichen. Bei entsprechender Übereinstimmung wird der Nutzer informiert und kann entscheiden, ob er seine persönlichen Daten an die Firmen senden möchte. Yooture ist 2015 an den Start gegangen und verbindet ein halbes Jahr später bereits über 10‘000 Nutzer mit 100‘000 Stellenangeboten.

Der Arbeitsmarkt – bereit für eine Disruption?

Bedarf für eine App wie Yooture gibt es für die Gründer zu genüge. Sie berufen sich auf eine Studie, laut welcher 60% der Schweizer unzufrieden mit ihrem Job sind und mit einem Stellenwechsel liebäugeln. Doch auch für die Arbeitgeber ist der herkömmliche Bewerbungsprozess verbesserungswürdig. So bleiben in einigen Branchen Inserate unbeachtet und Stellen dadurch zeitweise vakant. Dies soll künftig über das automatisierte Matchingprinzip vermieden und der Bewerbungsprozess für beide Seiten effizienter und effektiver gestaltet werden.

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                                                              Yooture schlägt passende Stellen vor und ermöglicht das Vergleichen von Profilen

Jobs für den Kopf, aber auch fürs Herz

Bei Yooture soll Nutzer nicht nur den perfekten Job gemäss seiner Qualifikationen finden. Vielmehr soll er auch solche entdecken, die seinen Leidenschaften entsprechen. Deshalb wird das Yooture-Profil durch eine zweite Kategorie „Passion“ ergänzt. So können die Hobbys und Interessen des Users direkt in die Stellensuche mit einfliessen und interessante Jobs gefunden werden, die der Nutzer auf herkömmlichen Weg wahrscheinlich verpasst hätte.

Interview mit Claudio

Claudio, die Ursprungsidee von Yooture ist über ein Mittagessen in der Kantine entstanden. Könnt ihr erzählen, was passiert ist und wie es dann weiterging?
Martin Scherrer (co-founder) und ich arbeiteten lange Zeit bei der UBS. Ich in der IT und Martin als mein Auftraggeber auf der Business-Seite. Als Martin mir sagte, dass er mal was ganz anderes machen will und nur noch die zündende Idee braucht, hab ich ihm geantwortet, dass ich eine Idee hätte. Wir haben zweimal darüber geschlafen und 3 Tage später entschieden zu kündigen. Dies war im April 2013. Nach Ablauf unserer 6-monatigen Kündigungsfrist haben wir YOOTURE im Dezember 2013 gegründet und angefangen die Idee umzusetzen. Seit März 2015 ist unsere Job-App live, seit Oktober 2015 unsere Firmenlösung.

 

Der Markt für Jobplattformen ist hart umkämpft. Was unterscheidet Yooture konzeptionell von der Konkurrenz und was macht ihr besser?
Der Markt ist in der Tat hart umkämpft, aber auch sehr attraktiv. Wir wollen Kandidaten und Firmen sehr viel schneller zusammenbringen. Einerseits glauben wir, dass wir im Thema Matching sehr viel weiter sind als die Konkurrenz: dies widerspiegelt auch das Feedback der Nutzer die uns sagen, dass sie bei uns sehr oft Jobs sehen, die sie sonst nirgends sehen. Andererseits sind wir, so glauben wir zumindest, punkto Einfachheit und Nutzerfreundlichkeit konsequenter als die Konkurrenz und nutzen Technologie so, wie es von der heutigen Nutzerpopulation erwartet wird: unterstützend und nicht als Hindernis.

 

Ihr beschreibt Yooture als Online-Dating-App für die Jobsuche . Was können Jobplattformen von Online Dating Services noch lernen?
Online Dating Services haben schon früh auf das Thema Matching gesetzt. Technologie unterstützt das Zusammenbringen von zwei Parteien die zusammengehören. Bis jetzt war das Jobthema geprägt vom „Reach-Gedanken“, d.h. Ziel war oder ist es, möglichst viele Personen zu erreichen. Online Dating setzt nicht bei der Quantität sondern bei der Qualität an: man will nicht irgendeinen Partner, man will den richtigen. Das ist nicht so anders bei Firmen und Jobsuchenden.

 

Bei einer Jobplattform muss das Angebot für beide Seiten stimmen. Wie sorgt ihr dafür, dass die Firmen ihre optimalen Kandidaten bekommen?
Das Matching funktioniert auf beide Seiten. Kandidaten bekommen passende Jobs vorgeschlagen, Firmen bekommen passende Kandidaten vorgeschlagen. D.h. sobald die Firma via YOOTURE-Firmenlösung einen Job ausschreibt sieht sie passende Kandidaten, die auf diesen Job passen. In einem ersten Schritt geschieht dies anonymisiert, jedoch mit allen Profildetails. Sobald der Kandidat eine Anfrage bestätigt, wird seine Anonymität aufgehoben.

 

Aus welchem Bereich stammen eure User und Firmen hauptsächlich? Wer nutzt Yooture?
Unsere Kandidatenbasis kommt momentan hauptsächlich aus 4 Industrien: Finanzindustrie, Informationstechnologie, Services (Consultants, Wirtschaftsprüfer etc.) und Marketing & Kommunikation. Unsere Kandidaten haben durchschnittlich zwischen 5 und 15 Jahren Arbeitserfahrung und sind tendenziell gut ausgebildet. Wir wollen sicherlich bei den Graduates noch vermehrt aktiv werden.

Die Firmen die wir zu unseren Kunden zählen sind in den gleichen Industrien angesiedelt. Dies sind sehr kleine Firmen mit weniger als 10 Mitarbeitern bis zu Grossfirmen mit mehreren tausend Mitarbeitern.

 

Interview geführt von Axel Mitbauer