Jivana hat eine grosse Vision: Es will Indien mit Wasser versorgen – zu einem Bruchteil des üblichen Marktpreises. Dazu soll das Wasser auch noch den höchsten Qualitätsansprüchen genügen

Wasser ist eine Lebensgrundlage. In Indien sind aber immernoch große  Teile der Bevölkerung , was sauberes Trinkwasser anbelangt, unterversorgt. Das Start-Up Jivana produziert und verkauft unter der Marke Sujal , was übersetzt für soviel wie positives, gesundes Wasser steht, hochqualitatives Trinkwasser und liefert es dem Kunden direkt nach Hause. Umgerechnet gerade einmal 35 Schweizer Rappen müssen Privathaushalte, Geschäfte und Institutionen für 20 Liter bezahlen. Damit ist Jivana 20fach günstiger als die Konkurrenz auf dem Indischen Markt.

jivana

High Tech und ein niedriger Preis

Für gewöhnlich wird Trinkwasser über Umkehrosmoseanlagen gewonnen. Hierbei wird dem Wasser aber nicht nur Verunreinigungen, sondern auch ein Großteil seiner Mineralstoffe entzogen. Diese sind jedoch für den Körper wichtig und überlebensnotwendig.  Zudem sind herkömmliche Herstellungsverfahren extrem ineffizient. So verbrauchen sie nicht nur viel Energie, sondern haben einen niedrigen Wirkungsgrad. So können lediglich zwischen 25 bis 35% des Inputwassers in Trinkwasser konvertiert werden. Jivana hingegen setzt auf moderne Technologien, bei dem bis zu 99% des Inputs in Trinkwasser umgewandelt werden können. 

Zudem Jivana garantiert dabei höchste Qualität , indem es bei der Wasseraufbereitung auf High-End Technologie und auf Hygiene in der Produktionsstätte setzt. So werden die Kanister täglich per Hochdruckverfahren und UV-Bestrahlung gereinigt und sterilisiert.

Durch sein Niedrigmargengeschäftsmodell können sich so selbst Leute mit geringster Kaufkraft Sujal leisten und müssen keine Abstriche in puncto Gesundheit und Qualität machen.

Interview mit Yves Suter

Hey Yves, man merkt sofort, wie sehr euch das Projekt am Herzen liegt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, warum Indien?
Ich habe im HS 2012 an der HSG den Kurs „Doing Business in India“ von Dr. Roger Moser besucht. Meine Aufgabe bestand darin, Wasserlösungen für einkommensschwache Bevölkerungsschichten zu entwickeln – dort bin ich auf das sog. Watershop-Concept gestossen. Mit zwei langjährigen Kollegen (Patrick Schlatter und Pascal Riboni, beide studieren ebenfalls an der HSG) haben wir dieses Konzept weiterentwickelt (bspw. den ganzen Last-Mile-Delivery Prozess). Nach langer Überlegung haben wir uns entschieden nach dem Bachelor nach Indien zu reisen und unsere Idee/Konzept umzusetzen. Wir lebten knapp 1.5 Jahre in Udaipur und konnten den „proof of concept“ erarbeiten.

Indien deshalb, weil es neben der Wasserproblematik ideal für ein Geschäftsmodell mit tiefen Margen und hoher Skalierbarkeit geeignet ist (für das es ja entwickelt wurde). Die fehlende Infrastruktur verunmöglicht Wasserleitungen wie wir diese in der Schweiz kennen, trotzdem muss man aufgrund der geringen Zahlungskraft eines Großteils der Bevölkerung, eine immense Anzahl Kunden erreichen um das Projekt profitable und damit das Problem nachhaltig zu lösen.

 

Ihr bietet einen 20Liter Kanister für umgerechnet knapp 35 Rappen an. Woher bekommt ihr das Wasser und schafft es so günstig zu produzieren ?
Wir nehmen grundsätzlich das Wasser welches verfügbar ist d.h. Grundwasser, Oberflächenwasser (Flüsse, Seen) oder falls vorhanden das durch eine Wasserleitung der Regierung zur Verfügung gestellte Wasser (ungefiltertes Wasser – und wie bereits erwähnt kaum verfügbar). Wir haben nämlich keine technologische Lösung sondern ein Mgmt.-Ansatz – dies bedeutet, dass wir weder von der Reinigungsanlage d.h. der Technologie noch der „Art“ der Wasserquelle abhängig sind – flexibles und adaptives Konzept um sich den sehr variierenden Gegebenheiten im indischen Markt anzupassen.

 

Wie könnt ihr bei so niedrigen Preisen profitabel oder zumindest nachhaltig wirtschaften?
Durch die Menge an ausgelieferten Wassereinheiten. Wir können in einem Watershop ca. 20’000 Liter aufbereiten und somit das Leben von ca. 5’000-7’000 Leuten positiv und nachhaltig verändern. Die grosse Wassermenge und effiziente Arbeitsabläufe ermöglichen es die Kosten gering zu halten. Unsere eigens programmierte Auslieferungssoftware macht es trotz den ca. 1000 Auslieferungen pro Watershop möglich das Wasser zuverlässig und pünktlich an unsere Kunden zu liefern (obwohl viele davon bspw. keine Adresse haben)

 

Wie ist das Feedback eurer Kunden?
Unsere Kunden sind sehr zufrieden mit unserem Produkt, welches die Konkurrenz im Bezug auf die Qualität, Erschwinglichkeit und Zuverlässigkeit (der Lieferungen) bei Weitem übertrifft. Die Schweizer Mentalität und der Kundenfokus kommen in unserem Service stark zu tragen – was sich praktisch alle nicht gewohnt sind. Die Kunden können sich darauf verlassen, dass jeden Tag, zur selben Zeit die gleiche Qualität geliefert wird – bei Trinkwasser eine unabkömmliche Bedingung. Das von den Kunden gewonnen Vertrauen berührt und motiviert uns. Aufgrund der unvergleichlichen Qualität und der Erschwinglichkeit sind wir für eine breit gestreute Kundschaft die erste Wahl.

 

Was machen die Familien mit dem gesparten Geld?
Auf der einen Seite spricht unsere breit gestreute Kundenbasis (Reiche Haushalte, Kirchen/Tempel, Einkaufszentren, Industriebetriebe, Strassen-Shops, arme Haushalte und Bauern) für eine hervorragende Qualität, und andererseits für die Erschwinglichkeit des Wassers. Dadurch ist es schwierig zu sagen, für was das gesparte Geld tatsächlich ausgegeben wird. Wenn die ärmere Kundschaft jedoch betrachtet wird, kann festgestellt werden, dass das Geld häufig für andere noch nicht gedeckte Grundbedürfnisse ausgegeben wird. Des Weiteren ist auch vorstellbar, dass das gesparte Geld für medizinische Zwecke oder die Schulbildung der Kinder eingesetzt wird.

 

Was möchtet ihr mit Jivana noch alles erreichen ?
Wir sind jetzt in Investorengesprächen und bereiten eine Crowdfunding Kampagne vor. Mit dem Geld erhoffen wir uns unser Geschäftsmodell in Indien (bzw. Rajasthan) voranzutreiben und weitere Watershops zu errichten – dadurch wird Tausenden oder sogar Millionen Menschen in Indien den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht

 

Wie habt ihr von der Unterstützung seitens der Universität und ihren Partnern profitieren können ?
Die Universität (Veranstalter des Entrepreneurial Talents d.h. Diego & Manuel) konnten wir stets als eine weitere Anlaufstelle nutzten – speziell für Ratschläge bei der Investorensuche (bspw. wie man einen Pitch gestaltet und vorbereitet) sind wir enorm dankbar. Die finanzielle Unterstützung haben wir unter anderem für das Video, welches in unserer Crowdfunding Kampagne zu sehen sein wird, genutzt.